Bildbeschreibung

Wer kennt sie noch, die 10 Heuristiken, die Jakob Nielsen von der Nielsen/Norman Group definiert hat? Es war im Jahre 1994 (!).

Man kann sagen: Das war ja in der Internet-Steinzeit. Stimmt.

Oder: Der Mensch interagiert im Internet heute ja ganz anders, als er es noch vor einigen Jahren getan hat. Stimmt.

Was aber an den 10 Heuristiken von Jakob Nielsen zeitlos ist - und deswegen schreibe ich diesen Artikel - es geht eben um Heuristiken, die schon seit 26 Jahren ihre Gültigkeit besitzen. Lohnt es sich nicht schon deshalb, sich mal wieder damit zu beschäftigen?

Wir bei VERDINO machen das - immer wieder ;-).

Zuerst mal zu den Basics: Was ist eine Heuristik?

„Heuristiken sind kognitive Eilverfahren, die bei der Reduzierung des Bereichs möglicher Antworten oder Problemlösungen nützlich sind, indem sie Faustregeln als Strategien anwenden.“ Stangl, 2020

oder

„Heuristik bezeichnet also ganz allgemein ein Verfahren, um Probleme zu lösen. Da Menschen im Alltag Anstrengungen gern aus dem Weg gehen, nutzen sie häufig Heuristiken, um sich das Nachdenken einfacher zu machen.Stangl, 2020

Wir wollen uns im Alltag nicht anstrengen!

Zeit verändert sich, Geschmack und Mode verändern sich, Internet-Services verändern sich, vor allem verändert sich der Umgang von uns Benutzer*innen mit Services und Applikationen im Internet. -> Was aber immer gleich bleibt ist, wir (der Mensch) wollen uns im Alltag nicht anstrengen und Probleme leicht gelöst bekommen.

Die Heuristiken von Nielsen sind solche "Eilverfahren" oder Strategien zur Problemlösung für Anwender*innen bei digitalen Services. Immerhin funktionieren sie - bis auf ein paar kleine textliche Anpassungen - bereits seit 26 Jahren.

Sie gelten nach wie vor bei jedem User-Testing, sie können für Barrierefreiheitsaspekte herangezogen werden und sie entsprechen auch den, auf den User bezogenen Grundprinzipien jeder Suchmaschinenoptimierung.

Bildbeschreibung

Schauen wir uns die 10 Heuristiken mal genauer an.

Bildbeschreibung Als Beispiel unser selbst entwickeltes Arbeitszeiterfassungstool: Das Design unterstützt die Userführung und die Übersichtlichkeit und Klarheit bei der Information, die wir in einem Zeiterfassungstool haben möchten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das Ganze geht auch im individuellen Corporate Design.
Bildbeschreibung

Bildbeschreibung

Als Beispiel für die zweite Heuristik: der MiraBot, den wir gemeinsam mit Schüler*innen erarbeitet und gestaltet haben. Es ist ein interaktives Spiel, bei dem jede/r Schülerin und Schüler und jeder junge Mensch für sich abklären kann, welcher Zukunftstyp sie/er ist, wenn es um Themen der Medizin in der Zukunft geht - in der Sprache der Zielgruppe, ohne sich hierbei zu sehr an das "Jugend-Sprech" anbiedern zu wollen. Das ist der MiraBot.

Bildbeschreibung

Bildbeschreibung

Als Beispiel etwas, das hoffentlich im Alltag nicht oft zur Anwendung kommen darf, aber den Punkt 3 „User Control and Freedom" sehr markant darstellt: ein „Quick Exit“-Button auf jeder (!) Seite der Website zum Thema „Sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen" - dieser schließt per Klick die gesamte Website, um schnell zu reagieren, wenn man in einer kritischen Situation erwischt wird – nämlich, dass man sich über Hilfe-Optionen im Fall von sexueller Gewalt informiert.

Bildbeschreibung

Bildbeschreibung In dem Fall geht es um Konvention, wie zum Beispiel: Das Ausweisen von externen und internen Links. Wenn sofort klar ist, wohin ein Link/Button den User führt und das stringent durch die ganze Website, wird durch diese Konsistent Klarheit geschaffen. Hier ein Beispiel: die Website "Reinwerfen statt Wegwerfen", die wir gemeinsam mit unserem Kunden ARA, erstellt haben.
Bildbeschreibung

Bildbeschreibung Wenn es darum geht, Fehler zu vermeiden, bevor sie noch passieren gibt unser Arbeitszeittool wieder ein gutes Beispiel: Wenn man über der Zeit ist, wird das Zeiteintragen verhindert, so dass es später, bei der Abrechnung der Stunden nicht zu Problemen kommt.
Bildbeschreibung

Bildbeschreibung Webservices und Websites sind "kein Lernstoff", der erst gelernt werden muss. Webservices sollen praktisch und gut nutzbar sein. Der User sollte Elemente einfach wiedererkennen und nutzen können. So haben wir im User Interface für das Intranet der Med Uni Graz wiedererkennbare Elemente eingebaut MUniverse der Med Uni Graz
Bildbeschreibung

Bildbeschreibung Unser Arbeitszeittool - ja, es gefällt uns sehr ;-) - hat auch diese Heuristik berücksichtigt. Wir können es effizient und flexibel benutzen: Man muss bei der manuellen Eingabe, die Uhrzeit nicht nach einem bestimmten Schema eintragen oder voll ausschreiben. Es reicht zum Beispiel, wenn man statt 18:00 einfach 18 eingibt.
Bildbeschreibung

Bildbeschreibung Minimalistisch im Design - Maximalistisch in der Anwendung: Unser Covidguide "Youxly"
Bildbeschreibung

Bildbeschreibung Fehlermeldungen sollen dem User das sagen, was er/sie korrigieren muss, um zum Ergebnis zu kommen. Diese Fehlermeldungen müssen in natürlicher Sprache statt in Codes angezeigt werden - plain and simple.
Bildbeschreibung

Bildbeschreibung Das beste User Interface Design ist eines, das keine weiteren Erklärungen braucht. Manchmal ist es aber gut und richtig, doch eine Hilfestellung anzubieten. VERDINO hat im User Interface Design des ELGA Portals, als eine solche Hilfestellung, ein Tooltipp gestaltet.
Bildbeschreibung

Ich schließe diese Lobschrift auf die Heuristiken mit dem Aufruf, sich mit userfreundlichen Services zu beschäftigen auch liebend gern mit den Worten des Usability-Großmeisters, Jakob Nielsen „when something has remained true for 26 years, it will likely apply to future generations of user interfaces as well.


In diesem Sinne: Lasst uns auch in der Zukunft gute, kreative Lösungen für digitale Kommunikation suchen und finden.

Veröffentlicht am: 19.01.2021

Bild von Katja Weiss

Autorin

Katja Weiss

Head of Project Management; Digital Strategy; User Experience

katja.weiss@verdino.com

mehr Infos über Katja