Patient Empowerment: Gemeinsam kommunizieren

Es ist immer schön zu sehen, wenn der Weg, den man vor Jahren eingeschlagen hat, sich als der richtige herausstellt. So ist es jedenfalls bei der Patient Centricity, der wir uns VERDINO in allen Kommunikationsprojekten und Maßnahmen von Anfang an verschrieben haben und die unsere Arbeit maßgeblich prägt. Immer mehr Unternehmen stellen nun die Patient*innen in den Mittelpunkt, was uns sehr freut. Auch das Patient Empowerment hält Einzug in immer mehr Kommunikationsstrategien. Diese Entwicklung ist nicht nur sehr erfreulich, sondern längst überfällig. Anlässlich des SDG 3 – Gesundheit & Wohlbefinden möchten auch wir Patient Empowerment wieder zum Thema machen. Und zwar so, wie wir schon immer in unserer Arbeit vorgegangen sind:

Wir denken weiter. Wir denken also auch den Begriff „Wohlbefinden“ weiter. Und wie bei allen unseren Kommunikationsmaßnahmen holen wir auch hier Patient*innen an Bord, denn: dass man mit seinen Anliegen, Forderungen und Wünschen wahrgenommen wird, in Entscheidungen eingebunden wird, die einen selbst betreffen – oder in der Zukunft betreffen können – , dass man sich gut versorgt und behandelt fühlt: auch das ist Wohlbefinden.

Was ist Patient Empowerment?

Es ist der Anspruch des Patient Empowerments, Patient*innen zu ermächtigen – zu empowern –, ihre Erkrankung zu verstehen, ihre Therapie gemeinsam mit dem Arzt oder der Ärztin zu definieren, sich Unterstützung zu suchen, wenn sie sie brauchen – und zu wissen, wo sie diese bekommen. Sie sollen auf ihrem Weg durch unser Gesundheitssystem begleitet und unterstützt werden. Dabei ist Patient Empowerment ein breites Feld, in dem nicht nur die Patient*innen selbst, sondern auch alle Dialoggruppen, mit denen sie in Berührung kommen, eine Rolle spielen, also z.B. Ärzt*innen, Selbsthilfegruppen und Angehörige. Patient*innen sind außerdem sehr heterogen – es gibt nicht den oder die Patient*in. Es ist ein großer Unterschied, ob es sich z.B. um einen 20-jährigen Diabetiker handelt oder um eine 45-jährige Mammakarzinompatientin. Neben der Erkrankung spielt auch der demographische Hintergrund eine große Rolle – denn Menschen haben verschiedene Erfahrungen und damit auch andere Wege, mit einer Erkrankung umzugehen und sich darüber zu informieren. Oder einen anderen Zugang zu technischen Innovationen oder medizinischen Gadgets.

Am 7. Mai 2021 lud der Health Hub Vienna zu einer Panel-Diskussion mit dem Titel „What do the patients want?“. Es war sehr spannend, gemeinsam mit Günter Rauchegger (ELGA) und Nadine Nehme (Medicus AI) unter der Moderation von Irene Fialka (Health Hub Vienna und INITS) zu diesem wichtigen Thema zu diskutieren. Besonders gefreut hat es mich, dass unser langjähriger Freund und Mitglied unseres Netzwerks, Roi Shternin, als Key Note Speaker geladen war. Roi setzt sich schon seit Jahren für mehr Mitbestimmung von Patient*innen ein und hat nun auch eine Patient School gegründet, um sein Expertenwissen weiterzugeben. Eine weitere Key Note kam von Helena Binetskaya, die mit ihrem Start-up Healthy Networks ein kostengünstiges Stethoskop entwickelt hat, um Eltern die einfache und regelmäßige Kontrolle der Lungengeräusche ihrer Kinder zu ermöglichen. Auch hier hat eine unmittelbar Betroffene den Bedarf erkannt und eine Lösung entwickelt, die nun vielen anderen in der gleichen Situation das Leben erleichtert.

Nothing about patients without patients

So ist es übrigens bei allen Maßnahmen und in Projekten, die sich an Patient*innen wenden: Nur sie selbst sind Expert*innen für ihre Erkrankung und wissen, was sie brauchen und wo es Lösungs- bzw. Innovationsbedarf gibt. Es reicht nicht, etwas FÜR Patient*innen zu entwickeln, wir müssen es MIT ihnen entwickeln. Als Kooperationspartner*innen auf Augenhöhe, denen man zuhört und die man frühzeitig in die Konzeption eines Produkts, eines (digitalen) Services oder eben einer Kommunikationsstrategie einbindet. Das können wir bei VERDINO leisten, weil wir über ein umfassendes Netzwerk an Patient*innen bzw. Expert*innen verfügen, das auf jahrelangem Vertrauen und gegenseitigem Respekt aufgebaut ist.

Doch auch wir sehen Verbesserungsbedarf, wenn es um eine weitreichende Zusammenarbeit in der Kommunikationsbranche und darüber hinaus geht. Nämlich die Notwendigkeit, die Leistungen der Patient*innen als Berater*innen, User*innen oder als Sparring Partner zur Entwicklung neuer Ideen anzuerkennen und damit auch angemessen zu entlohnen. Dabei können sowohl die Unternehmen, die sich im Patient Empowerment engagieren und patientenzentriert arbeiten wollen, als auch die Patient*innen nur gewinnen. Patient*innen müssen vieles lernen, nämlich mit ihrer Erkrankung zu leben, und sie müssen sich Health Literacy aneignen – doch wir alle sollten lernen, dass sie als Expert*innen im Healthcare-Bereich unverzichtbare Partner*innen bei der Entwicklung von Kommunikationsprojekten sind. Und in diesem Sinne die Patient Centricity weiterhin fördern und fordern.

Veröffentlicht am: 12.05.2021