Die neue App TikTok - Megatrend oder Zeitverschwendung?

Die chinesische Video-Plattform gibt es bereits seit September 2016, doch erst jetzt scheint sie in aller Munde zu sein. Aber warum? Und zahlt es sich aus als Unternehmen dem Trend zu folgen und selbst aktiv zu werden? Wir haben uns die App genauer angesehen ...

Was ist TikTok?

TikTok ist eine Plattform in der man Videos in einer Länge von 15 bis 60 Sekunden in Hochformat erstellen und veröffentlichen kann. Da man die Inhalte auch miteinander teilt und sich mit anderen NutzerInnen austauscht, ist es wie Facebook und Instagram ein soziales Netzwerk. Vor allem die junge Zielgruppe im Alter zwischen 16 und 24 Jahren vertreibt sich die Freizeit auf der App, erstellt eigenen Content oder scrollt sich durch fremde Inhalte. Egal ob Entertainment oder News aus dem Alltag - auf TikTok findet man Videos zu wirklich allem.

Wie funktioniert TikTok?

Im Gegensatz zu Instagram oder Facebook gibt es aber keinen Newsfeed wie man ihn sonst kennt, sondern durch einfaches Hinauf- oder Hinunterscrollen wird das nächste Video abgespielt. Es gibt eine große Auswahl an Features, die zum Ausprobieren und Kreativ sein anregen. Egal ob Filter, Sounds, Songs, Kurzaufnahmen aus bekannten TV-Shows, YouTube-Videos oder bereits erstellter Inhalt auf TikTok - langweilig wird einem bestimmt nicht. Da die Auswahl so groß ist und man ständig neue Ideen bekommt, traut sich die Community mehr und teilt Inhalte, die sie auf anderen sozialen Kanälen nicht teilen würde. Wie bei Instagram spielen auch Hashtags eine große Rolle. Allerdings liegt der Fokus weniger auf Aktualität und Relevanz, sondern auf lustigen und trendigen Inhalten wie Challenges und Scherzvideos.

Warum macht TikTok so süchtig?

Mittlerweile gibt es bereits 500 Millionen aktive UserInnen und die Zahl steigt stetig. Wieso verbringen sie immer mehr Zeit auf dieser App, während die Nutzerzeit bei Facebook und Instagram immer weiter zurückgeht? Ganz einfach: Der Algorithmus ist Schuld. Nicht die NutzerInnen selbst steuern den Feed sondern die App. Man kann zwar entscheiden welchen Kanälen man folgen möchte, aber das Augenmerk bei TikTok ist der Bereich "Für dich", in dem Videos, basierend auf den Inhalten, die man bereits angeschaut oder mit denen man interagiert hat, angezeigt werden. Somit ist es eine Endlosschleife an Videos, von der es nur schwer ist loszukommen.

"Dieses und jenes Unternehmen hat TikTok, also brauche ich es auch."

Stimmt das? Bevor man auf dem Kanal aktiv wird, sollte man sich prinzipiell einmal folgende Fragen stellen: Ist meine Zielgruppe auf TikTok? Passt mein Unternehmen zu den dort geteilten Inhalten? Habe ich die internen Ressourcen Videos zu drehen beziehungsweise das Budget, um die Kreation extern zu beauftragen?

Ein Vorteil der App ist, dass man einfacher Menschen erreichen kann, als auf den anderen sozialen Netzwerken. Aber wenn man die falschen Personen erreicht, bringt einem diese hohe Reichweite auch nichts. Somit: Sieht man Potential in der Ansprache von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dann ist es die richtige Anlaufstelle. Doch wie fängt man an? Wichtig ist es authentisch zu wirken und eigenen Content zu erstellen. Teures Equipment oder aufwendige Dreharbeiten haben hier nichts zu suchen. Die UserInnen wollen es neu, lustig und fesselnd. Die Devise lautet also "light and fun". Und: Desto kürzer das Video, desto besser.

Ist man sich aber unsicher, kann man auch bereits bestehenden Content (davon gibt es ja mehr als genug ;)) verwenden und sich selbst einbinden. Wie bereits oben erwähnt, sind Hashtags-Challenges eine gute Taktik, um auf die derzeitigen Trends aufmerksam zu werden und bei diesen mitzumachen. Aber auch die Discovery-Seite ist eine Möglichkeit, um die beliebtesten Inhalte herauszufiltern und sich zu überlegen wie man diese für sich nutzen kann.

Wenn man sich als Unternehmen entscheidet Videos zu teilen, sollte man sich gut überlegen welche Art von Videos. Wollen die MitarbeiterInnen gezeigt werden? Gibt es Produkte, die man auf unterhaltsame Weise zeigen kann? Welches Bild möchte ich meiner Zielgruppe vermitteln? Es ist wichtig die Balance zu finden, indem man lustigen Content zur Verfügung stellt, sich aber nicht übertrieben anstrengt, um "cool und hip" zu wirken. Wichtig ist auch darauf zu achten, dass es mit den sonst vermittelten Unternehemenswerten und -image zusammenpasst.

Und Werbung?

Zu Guter letzt die wohl wichtigste Frage auf Unternehmerseite: Kann man Werbung schalten? Ja. Es gibt sogar 3 Varianten:

  1. Brand Takeovers: Diese bezahlten Anzeigen erscheinen noch vor anderen Videos im Feed der UserInnen.
  2. Native Ads: Die Werbeschaltung spielt zwischen dem User-Content und hat eine Länge zwischen neun und 15 Sekunden. Allerdings gibt es via Buttons die Option sich weg zu klicken oder zu skippen.
  3. Sponsored Hashtag-Challenges: Unternehmen können zahlen, um als Sponsor einer Hashtag-Challenge auf der Discovery-Seite aufzuscheinen und via Banner angezeigt zu werden.

Fazit

Nur weil es jeder macht, heißt es nicht gleich, dass es für einen selbst auch das Richtige ist. Mit der richtigen Strategie und der Idee mit dem gewissen Extra kann es eine neue, wertvolle Ressource sein, um sich von der Masse abzuheben, eine jüngere Zielgruppe zu erreichen oder sich neu zu positionieren. Wenn man allerdings nur halbherzig an die Sache herangeht und es nicht zu dem Gesamtauftritt der Marke passt, dann ist von dem sozialen Netzwerk abzuraten.

Veröffentlicht am: 07.07.2020

Bild von Laura Farrensteiner

Autorin

Laura Farrensteiner

Project Management; Social Media; Online Marketing

laura.farrensteiner@verdino.com

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